Anregungen - Predigtmeditationen - Antworten

Lebenshilfe

Am Puls der Zeit

Abschrift einer hervorragenden Sendung von “media proMissio”, die Sie auf deren Website  anhören und downloaden können

 

Jenny, 16, schreibt an "Bravo":

"Ich gehe schon ein halbes Jahr mit meinem Freund. Wir lieben uns über alles und wollen miteinander schlafen. Weil uns das am sichersten erscheint, haben wir uns darauf geeinigt, mit Pille und Kondom zu verhüten. Jetzt sind aber meine Eltern dagegen. Sie sagen, dass sie nicht darüber diskutieren wollen, wir wären beide noch viel zu jung. Und die Pille könnten sie mir verbieten, weil sie, bis ich 18 bin, die Erziehungsgewalt hätten. Hinter dem Rücken meiner Eltern will ich aber auch nichts machen. Was sollen wir denn jetzt tun?

Das Dr.-Sommer-Team antwortet unter der Überschrift "Ihr dürft Eure eigenen Entscheidungen treffen":

Liebe Jenny, Ihr beide kennt Euch schon eine Weile, liebt Euch und könnt miteinander reden - auch über Verhütung. Eine ideale Basis für erste sexuelle Erfahrungen. Aber jetzt sind Deine Eltern dagegen. Wozu braucht Ihr deren Segen, wenn Ihr beide das wirklich wollt? Mit 16 kriegst Du die Pille ohne das Einverständnis Deiner Eltern. Das ist offiziell. Die Eltern sind Erziehungsberechtigte bis zu Deinem 18. Geburtstag. Mit "Gewalt" etwas zu erzwingen ist gegen jeden erzieherischen Auftrag. Er beinhaltet auch, so steht's im Jugendrecht, dass den Kindern mit zunehmenden Alter eigene Entscheidungen zugestanden werden müssen, um ihre Selbständigkeit zu fördern. Und gerade weil die Abgrenzung von den Eltern nötig ist, wenn es um Dinge geht, die Euch wichtig sind und Eurer Entwicklung nicht schaden, dürft ihr eigenverantwortlich darüber entscheiden. Je selbstbewusster Ihr damit umgeht, desto eher werden Deine Eltern akzeptieren, dass Du reif für Erfahrungen bist.  BRAVO Nr. 3, 9. Januar 1997, S. 52

Im selben Heft der Bericht:

Die "Backstreet-Boys" - eine Kultgruppe der Jugendszene - kommen überraschend in die Musikstunde einer Schule: eine Massenhysterie bricht aus. Die Botschaft der Boys: "Glaubt an euch selbst und an eure Träume, dann können sie wahr werden."

Pulsschläge, die den "Puls der Zeit" wiedergeben.

Was ist eigentlich los mit unserer Zeit?

Was ist eigentlich los mit dem Menschen unserer Zeit?

Woher können wir eine verlässliche Antwort auf diese Frage erhalten? Eigentlich nur von jemandem, der das Herz, das Zentrum unserer Zeit und das Herz, das innerste Wesen, die Mitte des Menschen kennt. Denn der Pulsschlag empfängt ja seinen Anstoß durch den Herzschlag.

Zu fragen ist also nach dem Zentrum, nach der bestimmenden Macht unserer Zeit und des Menschen, der sie prägt.

Der Apostel Paulus hat die durchblickende Sicht für das Herz des Menschen und das Wesen der Zeit von Gott her erhalten. Er kann von daher - von Gott her und in seinem Auftrag - Gültiges und Verbindliches sagen.

Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen werden schwere Zeiten kommen. Denn es werden die Menschen viel von sich halten, geldgierig sein, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, zuchtlos, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die die Lüste mehr lieben als Gott, die da haben den Schein eines gottesfürchtigen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie; solche meide.      

2.Timotheusbrief Kapitel  3, Verse 1-5.

Letzte Worte haben es bekanntlich in sich. In seinem Abschiedsbrief - dem 2. Timotheusbrief - bereitet Paulus den jungen Timotheus auf die immer offensiver werdende Bedrohung der Wahrheit vor. Mit einem von Gott geschenkten Weitblick charakterisiert der Apostel die kommende Zeit, die wie ein immer mächtiger werdender Fluss alle Werte mit sich reißt und so jeden festen Standpunkt erschüttert.

Es wird eine schwierige, feindliche, gefährliche Zeit sein, die auf den jungen Timotheus zukommt. Die Menschen, die sie bestimmen, die ihr ihre Prägung, ihren Charakter verleihen, werden hart und schwer zugänglich sein. Ihr herrisches, egozentrisches Wesen wird alles bestimmen und so alle Bereiche des Lebens in den Griff bekommen wollen.

Es werden Menschen sein, die nur sich selbst lieben, an sich selbst gebunden sind. In dieser Selbstsucht wirken sie fordernd und umwerfend selbstsicher, immer getrieben von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung.

Dabei sind die Menschen von einer grenzenlosen Habsucht erfüllt, die nicht zur Ruhe kommt und in einen unstillbaren Konsumrausch führt.

Der Mensch stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Er baut allein auf das, was er ist und besitzt. So wird der Mensch zu einem Windbeutel, zum protzenden Aufschneider, der sich über sich selbst täuscht und seine Mitmenschen belügt.

Ein solcher Mensch, der sich in seiner Verblendung für großartig und unwiderstehlich hält, plant und bestimmt eigenmächtig. Er rühmt sich selbst und lästert damit Gott, seinen Namen und sein Wort.

Alle Autoritäten werden verneint. Autoritätslos und lustbetont soll der Mensch leben, um so seine ursprüngliche Freiheit wiederzugewinnen. Die Kinder sind gegenüber ihren Eltern ungehorsam, sie vertrauen den von Gott verordneten Autoritäten in der Familie nicht mehr.

Wie unlenkbare Schiffe ohne Ruder treiben die Menschen im Strom der Zeit dahin. So aber wird der Mensch undankbar und anderen gegenüber gnadenlos, lieblos, ohne selber geduldig und leidensfähig zu sein.

Unversöhnlich klagt er die Mitmenschen in seinem Umkreis an. Ein solcher Mensch besitzt keine Kraft über sich selbst und lebt in ungezähmter, wilder Leidenschaft, die nie befriedigt werden kann. Wo ein solcher Mensch sich zum Berater aufspielt, wird er zum Verführer und Verräter, der durch falschen Rat irreleitet und unter dem Drang falscher Leidenschaft sich selbst und andere zu Fall bringt. Nur dem Lustgewinn - dem "Fun" - nachjagend, amüsiert er sich in seiner Aufgeblasenheit zu Tode und verfinstert in seinem Denken.

Bei alledem ist der Mensch aber keineswegs unreligiös. Ganz im Gegenteil: Er vergötzt ja sich selbst und sehnt sich zurück nach einem glücklich ausgesöhnten Leben mit der Natur. Man braucht, ja bedient sich der Religion, um in Gefühl und Erfahrung "abfahren" oder in sich selbst meditativ abtauchen zu können, mit dem einen Ziel: ganzheitliche Glücksgefühle zu erlangen.

Sind Sie erschrocken über dieses so pessimistische Bild vom Menschen, das so wenig der verbreiteten Vorstellung vom "Erfolgsmodell Mensch" entspricht, der sich - so das Nachrichtenmagazin "Focus" - "vom Steinzeit-Affen zum Computer-Genie" hochentwickelt haben soll?

Ich habe nur den biblischen Text ausführlicher wiedergegeben. So nimmt Gottes Wort den "Puls der Zeit" wahr. Und - Hand auf's Herz - ist dieser Text nicht geradezu unheimlich aktuell? Mehr noch: Spüren wir nicht alle etwas von dem Herzschlag dieses Menschen in uns?

Der Schrei nach Selbstverwirklichung und die mit Nachdruck geforderte Verneinung jeglicher Form von Autorität war wohl nie lauter zu hören als in unserer Zeit.

In einer riesigen Gruppendynamik spielen die Menschen Gott und fallen dabei zurück in ein dunkles Heidentum wie zur Zeit Noahs. In einem beispiellosen "Aufstand der Schamlosen" folgt der Mensch dem Aufruf des Verhaltensforschers B.F. Skinners und befreit sich vom Menschen im Menschen. Von allen nur erdenklichen Süchten gebunden hält sich der Mensch für wahrhaft frei und schafft sich selber seinen Gott, der neue Gebote gibt. Die Gesellschaft in ihrem zunehmenden Hass gegen einen Vater-Gott bestimmt als neuer Abgott, was man denkt und was nun gilt. Die Massenmedien entstellen die Wirklichkeit. Da, wo Religion in Erscheinung tritt, ist sie Religionskonsum, der zu den stummen Götzen führt. Gewiss, Ungehorsam des Menschen gegen die Gebote Gottes gibt es seit Gott Mose die Gebote auf dem Sinai übergeben hat, aber die geradezu aggressive Verneinung dieser Gebote bis hinein in die kirchlichen Kreise ist etwas Neues. Alles ist im Fluss. Alles wankt. Was heute gilt, gilt morgen nicht mehr. Alles passt sich dem sozialen und gesellschaftlichen Wandel an, der einem ideologisch bestimmten Entwicklungsprozeß unterliegt.

Die uniformierten Kids der Videogesellschaft sind manipulierbarer als sie es selbst wahrhaben wollen, und schwimmen auf jeder nur vorstellbaren Konsum- und Erlebniswelle mit.

Wenn der Mensch wirklich nichts anderes ist als das Produkt aus Materie plus Zeit plus Zufall gibt es keine wirkliche Erklärung für die Persönlichkeit des Menschen und keine wirkliche Antwort auf die Frage, warum der Mensch so ist, wie er ist. Dann aber gibt es keine wirkliche Hoffnung auf Veränderung. Die Bibel aber bezeugt den Menschen als Geschöpf eines unendlich persönlichen Gottes. Der Mensch ist nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift nicht immer so gewesen, wie er jetzt ist. Vielmehr ist sein jetziges Wesen bestimmt von einer folgenschweren Emanzipation: Der Mensch hat sich willentlich aus der liebenden, bewahrenden Hand Gottes begeben. Darum ist das Herz des Menschen rebellisch gegen Gott mit all den Folgen einer Geschichte voller Gewalt, Blut und Tränen.

Martin Luther sagt es treffend:

"Der Mensch kann von Hause aus nicht wollen, dass Gott Gott sei, sondern er will lieber, dass er selber Gott sei und dass Gott nicht sei."

(Non potest homo naturaliter velle deum esse deum, immo vellet se esse deum et deum non esse. WA I, 225)

Der junge Luther hat damit die Ursünde des Menschen erkannt.

Die Rettung und Befreiung aus dieser Verblendung und Gefangenschaft des Menschen kann nur von außen her geschehen. Hier hilft keine Technik der Selbsterlösung, keine Bewusstmachung der angeblich göttlichen Natur des Menschen, wie sie die Esoterik propagiert.

Hier hilft nur eine radikale Herztransplantation, damit der Pulsschlag des Lebens nicht mehr das eigene Ich des Menschen zum Thema hat. Denn die Selbstvergötzung des Menschen ist Ungehorsam gegenüber Gott und zerstört das Leben.

Gott befreit uns von unserer Selbstverliebtheit, die unser Leben nicht wahrhaft zur Entfaltung bringt, sondern vergiftet. Er tut das durch seine bedingungslose Liebe, denn aus Liebe sandte er seinen einzigen Sohn und wurde so selber Mensch.

Gegen den vergiftenden Hochmut des Menschen setzt Gott seine Demut, seinen Willen, dem gegen ihn rebellierenden Menschen zu dienen. Gott macht sich zum Knecht. Seine Gnade neigt sich zu uns herab und ist leibhaftig in der Gestalt seines Sohnes erschienen. So heilt er uns von unserem Mehr-scheinen-Wollen. Jesus Christus tat das im bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Willen seines Vaters bis hin zum stellvertretenden Opfertod am Kreuz auf Golgatha. So beugt sich der dreieinige Gott tief zu uns Menschen herab. In der gehorsamen Hingabe seines Lebens wird Gott nun selber mit unserer Überheblichkeit fertig. Wo unser Ungehorsam gegen Gott unser Leben und das Leben unserer Mitmenschen zerstörte, da eröffnet uns Gott selber durch den Gehorsam seines Sohnes wirkliches Leben, das auch der Tod nicht zerstören kann.

Gott holt uns von unserem suchtvollen Höhenflug herunter, damit wir mit beiden Füßen auf dem festen Boden seines Wortes stehen können. Er vergibt uns unsere Rebellion, unsere Selbstvergötzung und schenkt uns ein neues Herz, das zu einem neuen Denken in der Nüchternheit des Glaubens befreit, damit wir nicht mehr bestimmt werden von dem unruhigen Pulsschlag unserer Zeit, sondern zur Ruhe finden am Herzen Gottes für Zeit und Ewigkeit.

Peter Heinrich

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